Asbest & Künstliche Mineralfasern
Als Asbest bezeichnet man natürlich vorkommende, faserförmige Silikatminerale, die trotz ihrer nachgewiesenen schweren gesundheitsschädlichen Auswirkungen (insbesondere Asbestose und Krebserkrankungen) in einigen Ländern noch abgebaut werden darf. Für Asbest und asbesthaltige Produkte trat in Deutschland am 31. Oktober 1993 ein Verbot in Kraft, dass die Herstellung, die Verwendung und das Inverkehrbringen verbietet. Insgesamt wurden etwa 4,4 Millionen Tonnen Asbest importiert, der überwiegend zu technischen Verbundprodukten für die Baubranche verarbeitet wurde. [Quelle: BAuA]
Künstliche Mineralfasern (KMF) sind synthetisch hergestellte anorganische Fasern, die aufgrund ihrer hitzebeständigen und isolierenden Eigenschaften in Dämmmaterialien als Mineralwolle weit verbreitet sind. Hautkontakt kann zu Reizungen und zu Juckreiz führen. Als gesundheitlich besonders relevant gelten lungengängige, sogenannte WHO-Fasern mit einem Längen-Durchmesser-Verhältnis > 3:1, einer Länge > 5 µm und einem Durchmesser < 3 µm. Diese Fasern sind als potenziell krebserregend eingestuft und können auch nachträglich durch thermische Beanspruchung entstehen. [Quelle: LfU]
Schimmelpilz
Als Mykotoxine werden sekundäre Stoffwechselprodukte von allgegenwärtigen Schimmelpilzen bezeichnet, die ein Breites Spektrum von biologisch aktiven Verbindungen darstellen. Schon geringste Mengen dieser Stoffgruppe können beim Menschen zu akuten und chronischen Gesundheitsauswirkungen (Allergie, Infektion, Intoxikation) führen. Flüchtige organische Verbindungen mikrobiellen Ursprungs (MVOC) können die Raumluftqualität erheblich mindern und bilden den charakteristisch wahrnehmbaren modrig-muffigen und erdigen Geruch. Ihre Bildung kann auch bei nicht sichtbarem Schimmelpilzbefall auftreten und somit auf verdeckte Feuchteschäden oder mikrobielle Aktivität hinweisen.
Brandfolgeprodukte
Bei der vollständigen Verbrennung von organischem Material wird Kohlendioxid und Wasserdampf freigesetzt. Je nach Zusammensetzung des Brenngutes können auch Stickoxide oder Schwefeloxide freigesetzt werden. Als Pyrolyseprodukte werden organische Verbindungen bezeichnet, die bei der thermischer Zersetzung unter Sauerstoffmangel oder infolge unvollständiger Verbrennung entstehen. Insbesondere bei Schwellbränden treten diese Produkte in signifikant hohen Konzentrationen auf. Zahlreiche Pyrolyseprodukte sind gem. CLP-Verordnung als gefährlich und gesundheitsschädlich eingestuft. Zu den relevanten Stoffgruppen zählen:
- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
- Kohlenstoffmonoxid (CO)
- (Staub)Rußpartikel und Aerosole
- Cyanwasserstoff (HCN)
- Chlor- und Bromwasserstoff (HCl und HBr)
- Dioxine und Furane
Diese Verbindungen können an Rußpartikeln adsorbiert, weiträumig verteilt werden und somit das Gesundheitsrisiko deutlich erhöhen. Zu wissen welche Materialien bei einem Brand beteiligt waren hat höchste Bedeutung.
Weitere gängige Schadstoffe
Wir sind täglich verschiedenen Schadstoffen ausgesetzt. Wie bei Allem macht die Dosis das Gift. Allerdings gibt es Ausnahmen wie z.B. Asbest und andere persistenten Verbindungen die sich in Organismen ansammeln und mit der Zeit Krebs und chronische Krankheiten verursachen.
Für gewisse Stoffe und Gemische gibt es bereits Zulassungsbeschränkungen basierend auf den potentiellen Gefahren (SVHC-Kandidaten). Bei einigen Fehlen wissenschaftliche Befunde und Studien um das Gefahrenpotential einzuschätzen.
Anders als Arzneimittel oder Biozidprodukte unterliegen technische Produkte für die Baubranche jedoch keinem verpflichtenden Zulassungsverfahren. Dadurch werden gesundheitliche Risiken erst dann identifiziert wenn wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen.
Zu den technischen Produkten, die potentiell mit Schadstoffen kontaminiert sein könnten, zählen unter anderem:
- Holzschutzmittel (Lindan, PCP und Formaldehyd)
- Deckenplatten (PCB, Formaldehyd und ABFR)
- Elektronikbauteile (Schwermetalle, PCB, PFAS und ABFR)
- Teerhaltige Produkte wie Kleber und Feuchtigkeitssperren (PAK und Asbest)
- Polymerhaltige Produkte, wie Dichtmassen und Kleber (Schwermetalle, Phthalate, PCB und PCT)
- Lacke, Anstriche und Beschichtungen (Schwermetalle, VOC, PCB und PFAS)
Bei Sanierungen in älteren Gebäuden wird dringend empfohlen, vor Beginn der Arbeiten eine fachkundige Schadstoffuntersuchung durchführen zu lassen. Nur so können gesundheitliche Risiken minimiert werden.
Nicht nur Erzeugnisse für die Baubranche sind ggf. belastend - jegliche importierte Produkte aus Nicht-EU-Ländern können ebenfalls gefährliche Verbindungen enthalten. Aufgrund abweichender Sicherheitsbewertungen und gesetzlichen Regelungen können diese Produkte gefährliche Stoffe enthalten, die nach EU-Standards nicht zulässig wären. Eine aktuelle Liste dieser Produkte ist bei Safety Gate jederzeit einsehbar.
Abkürzungen
KMF
Künstliche Mineralfasern
WHO
Weltgesundheitsorganisation
SVHC
Besonders besorgniserregende Stoffe
(M)VOC
(Mikrobielle) flüchtige organische Verbindungen
PAK
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
PCB
Polychlorierte Biphenyle
PFAS
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen
ABFR
Aromatische bromierte Flammschutzmittel
PCP
Pentachlorphenol
PCT
Polychlorierte Terphenyle
CLP
Klassifizierung, Etikettierung und Verpackung von Stoffen und Gemischen
REACH
Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe



















